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E-Auto Reichweite im Winter: Wie viel Sie wirklich verlieren

23. August 2026· Wise EV
E-Auto Reichweite im Winter: Wie viel Sie wirklich verlieren

Der ADAC-Wintertest vom 22. Januar 2026 ist die genaueste Messung, die es zu diesem Thema in Europa gibt, und er wurde auf einer deutschen Strecke gefahren: München bis Berlin, 582 Kilometer, 111 km/h im Schnitt, bei 0 Grad. Die Verbräuche lagen zwischen 22,2 und 35,3 kWh/100 km. Das ist der Punkt, den die meisten Artikel übersehen: nicht "E-Autos verlieren im Winter Reichweite", sondern wie viel genau, bei welcher Temperatur, in welchem Auto.

Inhaltsverzeichnis

Kurzfassung

TestBedingungenErgebnis
ADAC Wintertest, Jan 20260°C, Autobahn, 582 km, 14 Autos22,2 bis 35,3 kWh/100 km
ADAC Teststrecke0°C gegen +20°C, gleiches Auto21% bis 30% mehr Verbrauch
ADAC DauertestSommer gegen Winter25% bis 31% mehr Verbrauch
NAF El Prix, Jan 2026−7°C bis −32°C, 24 Autos38% unter WLTP im Schnitt
NAF El Prix, 2025−6°C bis +8°C18% unter WLTP
Green NCAP, Nov 2025−7°C gegen warm26% bis 36% Reichweitenverlust

Deutschland lag im Winter 2025/26 bei einem Landesmittel von 1,8 Grad (DWD, 27. Februar 2026), das Minimum bei minus 21,7 Grad am 6. Januar in Oberstdorf. Für den Alltag heißt das: rechnen Sie mit rund 30% weniger Reichweite, im Süden und im Mittelgebirge mit mehr.

Was der ADAC tatsächlich gemessen hat

Der ADAC hat eine echte Dieselfahrt von München nach Berlin aufgezeichnet, 582 Kilometer bei 111 km/h Durchschnitt, und dieses Geschwindigkeits- und Höhenprofil anschließend auf dem Rollenprüfstand bei 0 Grad exakt nachgefahren. Die Autos standen vorher 14 bis 18 Stunden bei 0 Grad. Die Heizung lief im Automatikmodus auf 20 bis 23 Grad in Kopfhöhe, Sitzheizung an.

Entscheidend für die Aussagekraft: die Batteriekonditionierung fürs Schnellladen war bewusst nicht aktiv. Genau so fahren die meisten Menschen, weil sie die Funktion nicht kennen oder nicht einschalten.

Die Ergebnisse in Reichweite: Audi A6 Avant e-tron performance 441 km bei 23,2 kWh/100 km, Tesla Model Y 406 km bei 22,2, Volvo EX90 360 km bei 31,6, BMW i5 Touring 351 km bei 25,6, BYD Sealion 7 293 km bei 35,3.

Eine Einschränkung, die der Vollständigkeit halber hierhin gehört. Der ADAC-Wintertest ist eine Autobahnfahrt bei 0 Grad, der ADAC-Standardtest (Seite aktualisiert am 21. Juli 2026) ein gemischtes Profil bei nicht genannter Temperatur. Wer beide vergleicht, misst Kälte plus Autobahntempo, nicht Kälte allein. Das Model Y geht von 16,4 auf 22,2 kWh/100 km (plus 35%), der Kia EV6 von 18,6 auf 27,0 (plus 45%), der Hyundai Ioniq 5 von 18,7 auf 26,5 (plus 42%). Das sind echte Zahlen für eine winterliche Autobahnfahrt, aber kein reiner Temperatureffekt.

Für den reinen Temperatureffekt hat der ADAC eigene Zahlen, auf einer 100-km-Strecke bei 0 gegen 20 Grad: Renault Zoe plus 21%, Peugeot e-208 plus 21%, VW ID.3 plus 30%. Im Dauertest über Sommer und Winter: Opel Ampera-e plus 25%, Renault Zoe plus 31%, VW e-Up plus 31%.

Die Temperatur entscheidet, nicht die Jahreszeit

Den saubersten Beweis liefert der norwegische Automobilclub NAF, ohne es zu beabsichtigen. NAF fährt seinen El-Prix-Test jedes Jahr auf derselben Strecke mit derselben Methode. 2025, bei minus 6 bis plus 8 Grad, lagen die Autos im Schnitt 18% unter ihrer WLTP-Angabe. Im Januar 2026, bei minus 7 bis minus 32 Grad, waren es 38%. Neun von 24 Autos verloren 40% oder mehr.

Drei Dinge passieren, wenn es kälter wird, und nur eines davon betrifft die Batterie.

Die Heizung ist der größte Posten. Eine Kabine von minus 10 auf plus 21 Grad zu bringen, kostet echte Energie, und anders als beim Verbrenner fällt dafür keine Abwärme ab. Ein PTC-Heizer zieht beim Anlaufen 3 bis 5 kW, vergleichbar mit dem, was die Räder bei 100 km/h abrufen.

Die Zellchemie ist der zweite Punkt. Lithium-Ionen-Zellen bewegen Ionen bei Kälte langsamer, der Innenwiderstand steigt, die nutzbare Kapazität sinkt, und die Rekuperation wird begrenzt oder ganz abgeschaltet, bis der Akku warm ist. Die Energie, die Sie sonst bei jedem Gefälle zurückholen, fehlt.

Der Rest ist Widerstand: dichtere Kaltluft, Winterreifen, Schnee und Matsch. Einzeln klein, zusammen nicht.

Stadtverkehr verliert prozentual mehr als Autobahn, weil die Heizung konstant Leistung zieht und sich diese bei langsamer Fahrt auf weniger Kilometer verteilt.

Deutscher Winter im europäischen Vergleich

MarktWintermittel 2025/26 (Dez bis Feb)Kältester gemessener WertRealistischer Verlust
Spanien7,6°C (Festland)−14,0°C, Molina de Aragón, 6. Janrund 20% an der Küste
Großbritannien4,94°Cim Saisonbericht nicht ausgewiesenrund 25%
Frankreich+1,7°C über dem Mittel 1991 bis 2020im Bilan nicht ausgewiesenrund 25%
Deutschland1,8°C−21,7°C, Oberstdorf, 6. Janrund 30%
Ukrainevom staatlichen Dienst nicht in prüfbarer Form veröffentlichtnicht geprüft30% bis 40%

Zwei Lücken in dieser Tabelle, die wir nicht glattbügeln. Météo-France hat den Winter 2025/26 als Abweichung veröffentlicht (+1,7 Grad gegenüber 1991 bis 2020), ohne absolutes Landesmittel im selben Bilan. Für die Ukraine konnten wir keine geprüfte Rückschau auf die Saison abrufen, die dortige Zeile ist eine Schätzung aus Fahrerberichten.

Deutschland ist nach der Ukraine das kälteste unserer fünf Märkte. Der Unterschied zu Spanien ist erheblich: 1,8 gegen 7,6 Grad im Saisonmittel. Wer in Oberstdorf, im Bayerischen Wald oder im Erzgebirge wohnt, sollte eher mit norwegischen als mit spanischen Zahlen planen.

Warum Reichweiten-Datenbanken keine Rangliste liefern

Die EV Database weist für jedes Modell eine Kaltwetter-Reichweite aus (definiert als minus 10 Grad mit Heizung) und eine Mildwetter-Reichweite (23 Grad, ohne Klimaanlage). Wir haben sechs Gebrauchtmodelle geprüft, kombinierter Wert:

ModellMildKaltVerlustWärmepumpe
Hyundai Kona Elektro 64 kWh (MY20-21)450 km325 km−28%Serie
Renault Zoe ZE50 R135354 km257 km−27%Serie
Peugeot e-208 50 kWh (MY24)340 km245 km−28%je nach Land
Nissan Leaf 40 kWh275 km200 km−27%optional
MG ZS EV (2019-2021)250 km190 km−24%nicht verfügbar
VW e-Up! (2020-2021)240 km175 km−27%nicht verfügbar

Lesen Sie die letzte Spalte gegen die Verlustspalte. Zwei dieser Autos haben überhaupt keine Wärmepumpe und landen bei minus 24% und minus 27%, im selben schmalen Band wie die Autos mit Serien-Wärmepumpe. Alle sechs liegen zwischen minus 24% und minus 28%.

Die Straßentests finden etwas ganz anderes. NAF, 24 Autos unter identischen Bedingungen, kam auf eine Spanne von minus 29% bis minus 46%. Green NCAP maß bei minus 7 gegen warm Verbrauchsaufschläge von plus 38% (BYD Atto 3) bis plus 107% (VW ID.5), dazwischen Renault Kangoo E-Tech plus 101%, Hyundai Ioniq 5 plus 85%, Tesla Model 3 plus 73%.

Der Kaltwert der EV Database sieht damit aus wie ein einheitlicher Faktor auf jedes Auto, nicht wie eine Messung pro Modell. Als Erwartungswert für ein bestimmtes Auto brauchbar. Als Entscheidungshilfe zwischen zwei Autos nicht. Nehmen Sie dafür ADAC, NAF oder Green NCAP.

Zum grundsätzlichen Thema Normwert gegen Realität: WLTP gegen reale Reichweite.

Wärmepumpe: real, aber kleiner als gedacht

Eine Wärmepumpe transportiert Wärme, statt sie zu erzeugen, und liefert damit mehr Wärme pro kWh als ein Heizstab. Die Messungen beziffern den Vorteil auf 8% bis 10% Reichweite bei Kälte (Recurrent, 25. November 2024). Bei etwa minus 1 Grad verbrauchte ein Tesla Model 3 mit Heizstab 26% mehr Energie, ein Model Y mit Wärmepumpe 8% mehr. Das sind US-Flottendaten, für Europa also als Richtung zu lesen, nicht als exakter Wert.

Welche Gebrauchten eine haben, ist die eigentliche Frage, denn beim Bestand von 2018 bis 2022 war sie oft Option oder gar nicht lieferbar:

  • Serie: Renault Zoe ZE50 R135, Peugeot e-208, Opel Corsa-e, Hyundai Kona Elektro 64 kWh, Hyundai Ioniq Elektro
  • Optional, also Fahrzeug einzeln prüfen: Nissan Leaf 40 kWh, BMW i3 120 Ah, Kia e-Niro
  • Nicht verfügbar: VW e-Up!, Fiat 500e, Dacia Spring, MG ZS EV

Im ADAC-Test vom Januar 2026 hatte jedes konkurrenzfähige Auto eine Wärmepumpe, und der ADAC hält sie inzwischen bei den meisten Herstellern für Serienausstattung. Für Neuwagen stimmt das. Für den Gebrauchtmarkt nicht, weshalb die Ausstattungsliste des einzelnen Fahrzeugs zählt und nicht das Modell.

Vorklimatisieren ist der größte kostenlose Gewinn

Wenn Sie eine einzige Sache umsetzen, dann diese: heizen Sie das Auto vor, solange es noch an der Wallbox hängt.

Green NCAP hat das am VW ID.4 Pure bei minus 7 Grad gemessen. Vorklimatisieren brachte 46 km mehr im gemischten Betrieb und 79 km mehr in der Stadt. Bei einer kalten Mischreichweite von 196 km sind das 23% mehr, aus Strom, den Sie zu Hause kaufen, statt aus dem Akku.

Der ADAC nennt rund 15 Minuten Vorheizen als ausreichend und weist darauf hin, dass der Strom bei angeschlossenem Fahrzeug aus dem Netz kommt und nicht aus der Batterie. Bei einem Haushaltsstrompreis von 37,0 ct/kWh (BDEW, veröffentlicht 11. Mai 2026, Stand 15. April 2026) ist das außerdem der günstigste Strom, den Sie an diesem Tag kaufen. Die Rechnung für Haushalt gegen Autobahn steht in Laden zuhause gegen Autobahn.

Der Haken: das rechnet sich nur am Kabel. Wer im Parkhaus aus dem Akku vorheizt, hat die Kosten verschoben, nicht gespart.

Laden bei Kälte

Ein kalter Akku lädt langsam. Das Batteriemanagement senkt die DC-Leistung zum Schutz der Zellen, aus 100 kW im August werden im Januar 60 bis 70 kW, und aus dem geplanten 20-Minuten-Stopp werden 35.

Autos mit Batteriekonditionierung fürs Schnellladen wärmen den Akku auf dem Weg zur Säule vor, meist ausgelöst dadurch, dass man die Ladesäule im Navi des Autos als Ziel setzt und nicht im Handy. Der ADAC hat diese Funktion im Januar 2026 bewusst deaktiviert gelassen und trotzdem 150 bis 300 km Nachladung in 20 Minuten gemessen, wobei 800-Volt-Autos klar vor 400-Volt-Autos lagen.

Planen Sie also 20% bis 35% längere Ladestopps als im Sommer, und lernen Sie die Vorkonditionierung Ihres Autos zu bedienen, falls es sie hat.

Was das für den Gebrauchtkauf bedeutet

Rechnen Sie mit Ihrem winterlichen Minimum, nicht mit dem Mittelwert. Milde reale Reichweite nehmen, ein Drittel abziehen, und prüfen, ob der Rest Ihre schlimmste regelmäßige Fahrt mit Reserve abdeckt.

Prüfen Sie, ob genau dieses Fahrzeug eine Wärmepumpe hat. Bei Leaf, i3 und e-Niro war sie Option. Zwei Autos mit gleichem Typenschild auf demselben Hof können sich unterscheiden.

Fragen Sie nach zeitgesteuerter Vorklimatisierung. Ältere Autos haben oft eine Standheizfunktion für die Kabine, aber keine Batterievorkonditionierung fürs Laden. Beides ist nützlich und es ist nicht dasselbe.

Schauen Sie auf den Batteriezustand, denn Kälte und Alterung addieren sich. Ein Akku bei 85% SoH, der 30% an die Kälte verliert, lässt rund 60% der Neuwagenreichweite übrig. Die ADAC-Schwellen taugen als Filter: mindestens 92% bei 50.000 km, 88% bei 100.000, 84% bei 150.000, 80% bei 200.000. Welche Batterietests Sie buchen können, steht in Gebrauchte E-Autos, die man meiden sollte.

Kaufen Sie die Batterie, nicht das Emblem. Im Budgetbereich schlägt ein größerer Akku einen cleveren. Was in Deutschland für unter 15.000 Euro tatsächlich zu haben ist, steht in Gebrauchte E-Autos unter 15.000 Euro.

Die Kaltwerte von zwei Autos können Sie in unserem Vergleich nebeneinanderlegen, bevor Sie zur Probefahrt fahren.

FAQ

Wie viel Reichweite verliert ein E-Auto im deutschen Winter?

Bei einem Landesmittel von 1,8 Grad sind rund 30% realistisch. Der ADAC misst auf eigener Strecke 21% bis 30% Mehrverbrauch bei 0 gegen 20 Grad, im Dauertest 25% bis 31%. Bei strengem Frost unter minus 15 Grad geht es Richtung 40% bis 50%.

Kommt die Reichweite im Frühjahr zurück?

Ja. Der Kälteverlust ist vorübergehend und reversibel, und etwas völlig anderes als die dauerhafte Batteriealterung. Ein Auto, das im Januar 30% weniger anzeigt und im April wieder normal, hat keine Kapazität verloren.

Verlieren Verbrenner im Winter auch?

Ja, deutlich weniger. Green NCAP hatte im November 2025 einen SEAT Ibiza Benziner als Kontrollfahrzeug: 6,0 auf 6,4 l/100 km, also 6,7% mehr, gegen 26% bis 36% Reichweitenverlust bei den E-Autos derselben Runde. Der Grund ist die Abwärme, mit der ein Verbrennungsmotor die Kabine gratis heizt.

Lohnt der Aufpreis für eine Wärmepumpe beim Gebrauchten?

Sie ist nach den Messungen etwa 8% bis 10% Kaltreichweite wert, also einen moderaten Aufpreis und keinen großen. Bei ein paar hundert Euro Unterschied: mitnehmen. Bei vierstelligem Unterschied: das Geld lieber in eine größere Batterie oder einen besseren SoH stecken.

Quellen

Alle Angaben geprüft am 23. August 2026.

ADAC. Stresstest E-Autos im Winter: Wie die Reichweite auf der Autobahn ausfällt, 22. Januar 2026. https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/elektroauto/elektroauto-reichweite-im-winter-adac-test-2026/

ADAC. E-Auto im Winter: Mehr Verbrauch, weniger Reichweite, aktualisiert 20. November 2024. https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/laden/elektroauto-reichweite-winter/

ADAC. Elektroauto Test: Reichweite und Verbrauch im Vergleich, aktualisiert 21. Juli 2026. https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/elektroauto/stromverbrauch-elektroautos-adac-test/

NAF. El Prix vinter 2026: sprengkulde gav rekordavvik, 28. Januar 2026. https://www.naf.no/elbil/elprix-nytt/elprix-vinter-2026-rekkeviddetest

Green NCAP. From range anxiety to charging time, 6. November 2025. https://www.greenncap.com/press-releases/from-range-anxiety-to-charging-time-green-ncap-tests-show-how-todays-evs-perform-in-the-real-world/

Deutscher Wetterdienst. Deutschlandwetter im Winter 2025/2026, 27. Februar 2026. https://dkkv.org/wp-content/uploads/2026/03/2026-02-27-Deutschlandwetter-Winter-2025-2026.pdf

BDEW. Strompreisanalyse Haushaltskunden, veröffentlicht 11. Mai 2026, Stand 15. April 2026.

Recurrent. Study: How Much Heat Pumps Boost EV Range, 25. November 2024. https://www.recurrentauto.com/research/heat-pumps

EV Database. Modellseiten, abgerufen 23. August 2026. https://ev-database.org

Met Office. Seasonal Assessment: Winter 2026, März 2026. https://www.metoffice.gov.uk/binaries/content/assets/metofficegovuk/pdf/research/seasonal-assessment---winter26.pdf

AEMET. El invierno tuvo carácter muy cálido y muy húmedo, 12. März 2026. https://www.aemet.es/en/noticias/2026/03/resumen_invierno_2025_2026

Météo-France. Bilan climatique de l'hiver 2025-2026, März 2026. https://meteofrance.fr/sites/meteofrance.fr/files/files/editorial/bilan-hiver-2025-2026_def.pdf

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